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Perspektiven der Kreislaufwirtschaft

Im Rahmen unserer Serie „3 Fragen an…“ sind wir im Gespräch mit Partner, Experten und Persönlichkeiten aus dem Bereich Circular Economy. Heute: Gabriele Jüly – die neue Präsidentin des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB). 

Liebe Frau Jüly, laut aktuellem Circularity Gap Report von Circle Economy ist unsere Welt nur zu 8,6 % zirkular. Woran liegt es? Und wie kann das globale lineare Wirtschaftsmodell jenem der dringend geforderten Kreislaufwirtschaft Platz machen?

Die Weltwirtschaft muss umdenken und unsere Sekundärrohstoffe als qualitativ und wirtschaftlich sinnvolle Alternative in den Fokus rücken. Meine Hoffnung ist, dass die klassischen Industrieländer in der gesetzlichen Regelung eine Vorreiterrolle übernehmen und rasch eine Mindesteinsatzquote für Sekundärrohstoffe in der Produktion von Neuware beschließen. Sonst werden wir bald schmerzlich spüren müssen, dass auch unsere Erde und unsere Ressourcen nicht unerschöpflich sind.

Auch für Österreich, einem Vorzeigeland in Sachen Recycling, stellen die europäischen Recyclingziele 2030 eine große Herausforderung dar. Welche Weichenstellungen müssen getroffen, welche Maßnahmen gesetzt und welche Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die Vorgaben erreichen zu können?

In Österreich sind wir in einigen Bundesländern jetzt schon nahe der Zielerreichung. Ich denke, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine einheitlich getrennte Sammlung geschaffen werden sollten. Es gibt zu viele verschiedene regionale Sammelmöglichkeiten für Verpackungen, manchmal sind diese sogar in einem Bezirk unterschiedlich! Eine Vereinheitlichung wäre bei landesweiten Infokampagnen in Medien und zur Aufklärung in den Schulen sehr hilfreich. Ebenso sollten Verpackungen und Produkte recyclingfähiger gestaltet werden.
Jedenfalls braucht die Entsorgungswirtschaft bald eine Lösung und deren gesetzliche Verankerung, um die schon längst notwendigen Investitionen tätigen zu können. Viele Betriebe warten seit über 1,5 Jahren und Modernisierungen stehen längst an!
Darüber hinaus muss es einen Absatzmarkt für Sekundärrohstoffe geben. Wenn wir Abfall recyceln, aber keiner damit etwas anfangen kann oder will, weil wie derzeit die Primärrohstoffe zum Teil günstiger sind, dann ist unsere Arbeit wirtschaftlich nicht rentabel. Damit Kreislaufwirtschaft funktioniert, brauchen wir eine Industrie, die in der Produktion Sekundärrohstoffe tatsächlich auch einsetzt. Sonst werden wir die europäische Recyclingzeile nicht erreichen. 

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sprach bei der Präsentation des europäischen grünen Deals von „Europas Mann auf dem Mond“-Moment. Wie bewerten Sie die neue Wachstumsstrategie?

Sie wird davon abhängen, wie sehr sich die europäischen Länder an die EU-Vorgaben halten und den Wechsel von einer linearen hin zu einer Kreislaufwirtschaft auch tatsächlich ernst nehmen. Schon in den nächsten Jahren sollten die ersten Erfahrungen zeigen, ob diese Ankunft auf dem Mond 2050 tatsächlich gelingen kann. Dringend notwendig wäre sie jedenfalls.