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Perspektiven der Kreislaufwirtschaft

Im Rahmen unserer Serie „3 Fragen an…“ sind wir im Gespräch mit Partnern, Experten und Persönlichkeiten aus dem Bereich Circular Economy. Heute: Univ.-Doz. Dr. Mag. Stephan Schwarzer, Abteilungsleiter für Umwelt und Energiepolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO)

Um die europäischen Recyclingziele 2025/2030 zu erreichen, fordert die WKO eine ganzheitliche Lösung. Dafür wurde ein umfassender 10-Punkte-Plan für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft in Österreich präsentiert. Was zeichnet dieses Modell aus? 

Wir schlagen mehrere Fliegen mit einer Klappe. Für den Konsumenten schlagen wir die komfortabelste Lösung vor. Er muss die Wertstoffe genauso weit tragen wie den Restmüll, keinen Meter weiter. Outdoor müssen wir mehr tun, weil der Outdoor-Konsum stark gestiegen ist. Wenn ich auf dem Spielplatz und im Park in Wien immer nur einen „grauen“ Müllbehälter sehe, der noch dazu vorrangig für das „Sackerl fürs Gackerl“ verwendet wird, dann weiß ich: Die Wertstoffe in diesem Behälter werden den Weg in die Recyclingschiene sicher nicht mehr finden.

Einwegpfand, Mehrwegquote und Verpackungssteuer: Wie bewerten Sie den von Klimaministerin Leonore Gewessler vorgestellten 3-Punkte-Plan?

Für die Wirtschaft ist das die Trilogie der Praxisferne. Die Verpackungssteuer hat keinen Lenkungseffekt, also wozu? Es lenken ja schon die hochgeschraubten Zielvorgaben. Mehrwegquoten nimmt dem Konsumenten Wahlfreiheit – nicht das Ministerium soll entscheiden, was ein Konsument kauft, auch nicht der Händler, der Getränke anbietet, sondern der Konsument selbst. Hier will sich wohl ein Ministerium durch Strafzuschläge Geld vom Bürger holen. Und das Pfand ist ein gestriges Modell, mittlerweile sind die Sammelsysteme so gut, dass die separate Pfandlogistik ein unnötiger Kostentreiber ist.

Von global bis lokal: Welche Weichenstellungen brauchen wir, um die globale Kreislaufwirtschaft in Schwung zu bringen? Und was kann jeder Einzelne persönlich tun, um Ressourcen im Kreislauf zu halten?

Die globale Kreislaufwirtschaft benötigt zuallererst die Schaffung von Entsorgungsinfrastrukturen in den ärmeren Ländern. In Ländern, wo es nicht einmal eine Müllabfuhr gibt, verbrennen die Menschen die Kunststoffabfälle im eigenen Ofen und im Garten wo gleichzeitig Enten und Gänse gehalten werden und die Mangos wachsen. In Österreich ist es leicht, sich umweltfreundlich zu verhalten: Wertstoffe in die jeweilige Wertstofftonne, nichts in der Natur wegschmeißen, das sind die zwei wichtigsten Gebote der Kreislaufwirtschaft und des Respekts vor den Mitbürgern.