23.06.2026

PPWR: Einblicke in die Praxis

Die PPWR setzt ehrgeizige Ziele: Verpackungsaufkommen und Abfall reduzieren, Einsatz von Primärrohstoffen verringern und eine konsequent kreislauforientierte und zugleich wettbewerbsfähige Wirtschaft in Europa fördern. Wir haben mit Entscheider:innen über ihre Angänge zur Umsetzung gesprochen.

PPWR Praxis

Mit der EU-Verpackungsverordnung (kurz: PPWR) verfolgt die EU ehrgeizige Ziele: Verpackungsaufkommen und Abfall sollen reduziert werden, der Einsatz von Primärrohstoffen verringert und eine konsequent kreislauforientierte und zugleich wettbewerbsfähige Wirtschaft in Europa gefördert werden. Die Verordnung greift entlang des gesamten Verpackungskreislaufs – von Design und Produktion bis hin zu Nutzung und Recycling – und macht damit tiefgreifende Anpassungen in zahlreichen Branchen erforderlich.

Mit der Veröffentlichung der PPWR am 22. Jänner 2025 war der zeitliche Fahrplan gesetzt: Ab dem 16. August 2026 sind die ersten PPWR-Vorgaben verbindlich umzusetzen. Dass die Neuerungen kommen, stand somit bereits seit einiger Zeit fest. Gleichzeitig bestehen bei zentralen Details und Definitionen weiterhin Unklarheiten. Unternehmen sind dennoch schon jetzt gefordert, sich mit den neuen Anforderungen auseinanderzusetzen, Strategien zu entwickeln und erste Maßnahmen zu implementieren. Wo stehen österreichische Unternehmen aktuell in diesem komplexen Prozess? Wo liegen zentrale Herausforderungen und Chancen? Dies verrät ein Blick in die Praxis.

Berger Claudia Berger

Fleischwaren Berger


„Da für unsere Schinken- und Wurstprodukte Kunststoffverpackungen technologisch derzeit alternativlos sind, betrifft die Verordnung unser gesamtes Sortiment. Seit sieben Jahren beschäftigen wir uns mit zukunftsfähigen Verpackungslösungen und verpacken bereits seit März 2021 unsere 100-g-Schinkenrange in recyclingfähige Monofolien. Um unser Sortiment weiter umzustellen, führen wir laufend Materialtests durch und passen bei Bedarf unsere Maschinen an.

Die PPWR ist auch intern ein fixer Bestandteil aller verpackungsrelevanten Abstimmungen. Der damit verbundene Aufwand wird mit bestehenden Personalressourcen jedoch langfristig schwer zu bewältigen sein. Besonders herausfordernd für uns sind aktuell die umfangreichen Datenanforderungen der PPWR. Erhebung, Validierung und Verwaltung erfordern geeignete, praxistaugliche Systeme. Initiativen wie das ‚Packaging Cockpit‘ bieten hier einen sinnvollen Ansatz, um relevante Daten gebündelt verfügbar zu machen und gleichzeitig die Entwicklung branchentauglicher Lösungen voranzutreiben.“


Claudia Berger

Einkauf Berger Schinken

Salzburgmilch Matthias Greisberger

SalzburgMilch


„Bei SalzburgMilch arbeiten wir mit einem Kernteam aus Einkauf, Qualitätsmanagement, Marketing und Nachhaltigkeit gezielt an der Vorbereitung für die Anforderungen der PPWR. Im Rahmen einer Inhouse-Schulung mit der ARA sowie eines PPWR Quick Checks durch Circular Analytics wurden relevante Mitarbeiter:innen der SalzburgMilch im Jahr 2025 systematisch mit den regulatorischen Anforderungen vertraut gemacht und darauf aufbauend konkrete Umsetzungsschritte definiert.

Vor Herausforderungen stellen uns die weiterhin bestehenden Auslegungsunsicherheiten bei der Anwendung der neuen Vorschriften – etwa bei den Kennzeichnungspflichten (Labelling) oder hinsichtlich der PFAS-Konformität. Sie führen zu einem erhöhten Einsatz finanzieller und personeller Ressourcen. Bereits heute setzen wir dennoch gezielt Maßnahmen zur Vorbereitung auf die PPWR um. Ein wichtiger Schritt ist der verstärkte Einsatz von Monomaterial-Verpackungen, wie bei unseren Premium-Käsescheiben. Damit erzielen wir schon jetzt eine Recyclingfähigkeit von über 90 %.“


Matthias Greisberger

Leitung Nachhaltigkeit bei SalzburgMilch

Sonnentor Carina Klinger

SONNENTOR


„Wir begrüßen die grundsätzliche Zielrichtung der PPWR in Sachen Nachhaltigkeit. Gleichzeitig ist die Umsetzung sehr komplex und bündelt zeitliche und personelle Ressourcen, da die Maßnahmen abteilungsübergreifend umgesetzt werden müssen. Neben offenen Fragen, beispielsweise ob unsere bio-abbaubaren Folien weiterhin verwendet werden können, befassen wir uns seit Bekanntwerden der PPWR mit neuen Anforderungen an Stammdatenstrukturen und Lizenzierungsabläufen sowie mit Verpackungskennzeichnungen und Konformitätserklärungen.

Entscheidend ist, trotz hoher bürokratischer Anforderungen lösungsorientiert zu bleiben. Viele Vorgaben sind noch lückenhaft, daher arbeiten wir mit den Informationen, die bereits geteilt wurden, und entwickeln Prozesse Schritt für Schritt weiter. Gleichzeitig setzen wir stark auf Austausch, sowohl intern mit den beteiligten Abteilungen als auch extern mit anderen Unternehmen und Interessenverbänden. So bündeln wir Wissen, lernen voneinander und schaffen die bestmögliche Grundlage, um die Anforderungen der PPWR praxistauglich umzusetzen.“


Carina Klinger

Verpackungsmanagerin

Henkel Eva Bartovicova

Henkel Österreich


„Wir arbeiten konsequent daran, unsere Verpackungen recyclingfähig zu gestalten, auch wenn viele Detailfragen der PPWR derzeit noch nicht abschließend geklärt sind. Unser Ziel ist es, Recyclingfähigkeit mit Produktschutz und Anwendungsfreundlichkeit zu verbinden: Ein Beispiel hierfür ist die Umstellung bei Blue Star Kraft Aktiv von einer Blisterverpackung auf eine 100-prozentige Kartonlösung. Der eingesetzte Recyclingkarton TOPCOLOR® BARRIER AROMA inkludiert eine Aromabarriere, die den Duftstoff erst bei Anwendung freisetzt. Die neue Verpackung ist recyclingfähig, schützt das Produkt und zeichnet sich durch eine benutzerfreundliche Handhabung aus, die sogar mit dem Deutschen Verpackungspreis 2025 in der Kategorie ‚Funktionalität & Convenience‘ ausgezeichnet wurde.

Durch die Umstellung der Verpackung konnte zudem der benötigte Transportraum um ein Drittel reduziert werden – ein weiterer Teil der PPWR-Anforderungen zur Verpackungsminimierung. Aktuell stehen wir vor der Herausforderung, Verpackungen auch international sukzessive umzustellen.“


Eva Bartovicova

Marketingleiterin Henkel Consumer Brands Österreich

Behalten Sie den Überblick zur Packaging und Packaging Waste Regulation mit dem ARA Leitfaden.

Emmi Roman Mueller

Emmi Österreich


„Grundsätzlich sind alle Bereiche entlang des Verpackungslebenszyklus bei Emmi betroffen – insbesondere Verpackungsentwicklung und Nachhaltigkeit sind gefordert, die Ziele der PPWR umzusetzen. Entsprechend setzen wir uns seit rund drei Jahren aktiv mit den Anforderungen auseinander und treiben Initiativen voran. Eine der größten Herausforderungen sehen wir in den steigenden Anforderungen an Transparenz und Datenmanagement. Die umfassende Berichterstattung wird künftig eine zentrale Rolle spielen und erfordert eine enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette.

Gleichzeitig bietet dies die Chance, fundiertere Entscheidungen zu treffen und die Nachhaltigkeitsleistung gezielt zu verbessern. Unser Ansatz ist strukturiert und praxisnah: Wir priorisieren relevante Handlungsfelder und entwickeln schrittweise Lösungen mit echtem Mehrwert. Unser Ziel ist es, nicht nur konform zu sein, sondern aktiv zur Kreislaufwirtschaft beizutragen.“


Roman Müller

Leiter F&E Verpackung

Rondo Ganahl Stephan Kaar

Rondo Ganahl


„Wir nehmen die PPWR positiv, jedoch nicht unkritisch wahr – viele zentrale Ziele der Verordnung entsprechen seit Jahren unserem Selbstverständnis und dem Stand der Technik bei Rondo. Aktuell konzentrieren wir uns auf die unmittelbar anstehenden Anforderungen: Im Sommer kommen je nach ‚Rolle‘ in der Lieferkette Verpflichtungen wie das Konformitätsbewertungsverfahren und die daraus resultierende Konformitätserklärung auf uns zu. Dafür muss sich jede:r Beteiligte seiner und ihrer Funktion bewusst sein und entsprechend vorbereiten.

Unsere Kunden als ‚Erzeuger‘ im Sinne der PPWR benötigen von uns als Lieferant der Wellpappeverpackungen detaillierte Informationen zur Erstellung der Konformitätserklärung. Die eigene Rollenfindung gemäß PPWR sowie die Aufbereitung und der Austausch aller notwendigen Daten sind derzeit die größte Herausforderung. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden ist entscheidend. Für die künftigen Themen der PPWR, die ab 2030 vollständig greifen werden – etwa Recyclingfähigkeit und Minimierung von Verpackungen –, sind wir als Wellpappelieferant gut gerüstet.“


Stephan Kaar

Geschäftsleiter Wellpappewerk Frastanz

Recheis Elisabeth Senfter

Recheis


„Mit unseren Primärverpackungen aus recyclingfähigen Monomaterialien sind wir bereits gut aufgestellt und erfüllen wesentliche Anforderungen. Seit Monaten setzen wir uns intensiv mit den konkreten Vorgaben auseinander. Mit Workshops sowie einem bereichsübergreifenden PPWR-Team schaffen wir ein gemeinsames Verständnis und bereiten die Umsetzung gezielt vor. So positiv wir die Zielsetzung der PPWR bewerten, so anspruchsvoll gestaltet sich die praktische Umsetzung.

Insbesondere der steigende bürokratische Aufwand, etwa bei Datenerhebung, -verwaltung und -auswertung, bindet zusätzliche Ressourcen und wirft Fragen hinsichtlich geeigneter Systeme und Prozesse auf. Hinzu kommen Unklarheiten, wie bei der rechtlichen Abgrenzung zentraler Rollen wie ‚Hersteller‘ und ‚Erzeuger‘, die unmittelbare Auswirkungen auf Verantwortlichkeiten haben. Auch bei Detailregelungen zu PFAS fehlen aktuell noch konkrete Vorgaben. Für eine effiziente und praxisnahe Umsetzung der PPWR wünschen wir uns vor allem mehr Klarheit, Harmonisierung und umsetzungsorientierte Leitlinien des Gesetzgebers.“


Elisabeth Senfter

Leitung Marketing & Produktmanagement

VOG Matthias Ritzberger

VOG


„Wir arbeiten seit jeher strukturiert und kontinuierlich an Recyclingfähigkeit, Materialreduktion und kurzen Lieferwegen von Material bei unseren Verpackungen. Es laufen Projekte mit unseren Lieferanten, um Folien sukzessive auf Monomaterial umstellen zu können. Parallel optimieren wir Design-for-Recycling- Kriterien, reduzieren Wandstärken bei unseren Lenz Moser Weinflaschen und prüfen Verbesserungsmöglichkeiten bei unseren Transportkartons.

Durch Schulungen zur PPWR werden Einkauf, Entwicklung und Vertrieb regelmäßig sensibilisiert, um regulatorische Anforderungen frühzeitig in Kundenprojekte zu übersetzen. Die größten Herausforderungen sehen wir in der Materialverfügbarkeit, insbesondere bei Folienbeuteln hinsichtlich Rezyklaten in Lebensmittelqualität und Monomaterialien mit den nötigen Barriereeigenschaften, sowie in regulatorischen Unschärfen. Dem begegnen wir durch langjährige Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette, genaues Beobachten von Innovationen der Verpackungsindustrie sowie durch kontinuierliches Monitoring der Gesetzesentwicklung.“


Matthias Ritzberger

Vorstand VOG AG